Wunder

Ich wünsche mir sehr, dass nicht nur ich erstaunt bin, vor Glück, wie eine Beziehung sein darf. Trotz schwieriger Umstände. So voller Liebe, voller Wertschätzung, voller Ehrlichkeit und dadurch Vertrauen, voller Leichtigkeit und Frieden.

Ich wünsche mir sehr, dass ich das zurück geben kann ❤

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Schritte

Was sich verändert hat.

Ich fange an mich selbst zu akzeptieren. Heute kam eine Frau ohne Termin in das Zentrum. Sie wollte ein Therapiegerät abgeben. Das ihres Bruders. Der gestorben ist. 28 Jahre alt.

Ich hatte sofort Tränen in den Augen. Kämpfte damit um nicht vor ihr loszuheulen.

Dann dachte ich, dass es egal ist, dass ich nicht kämpfen muss. Sie wundert sich vielleicht, oder die Empathie tut ihr gut, oder es ist ihr egal. Aber ich muss mich nicht schämen und ich tue es auch nicht mehr.

Als sie weg war habe ich auch nicht mehr wie früher versucht etwas zu unterdrücken und wegzuschieben. Ich wollte das immer weg haben. Jetzt weiß ich, dass das ein Teil von mir ist, der immer bei mir sein wird, er gehört zu mir und ich nehmen ihn an. Ich habe geweint, habe die kleine Lisa in mir in den Arm genommen und ihr gesagt, dass das völlig in Ordnung ist und vielleicht immer weh tun wird, weil es auch wirklich schlimm ist, nichts was man schön reden kann und es ist ok. Ich habe geweint und es ging mir besser. Es ist ein großer Unterschied zu dem „weg haben wollen“

Ein anderer Schritt war die Reflexion. Ich erkenne mich und warum ich wie reagiere. Und so kann ich mich selbst besser regulieren.

Ich war kurz im Urlaub und habe zurück bei der Arbeit wieder Fehler vorgefunden die mich echt auf die Palme bringen. Weil sie total unnötig und echt blöd sind, weil sie nicht zugegeben werden, sondern immer andere schuld sind und weil die Person aber vor Selbstvertrauen nur so strotzt!

Ich sehe jetzt warum mich das so ärgert, weil mir das Selbstbewusstsein in vielen Bereichen fehlt, weil ich es nicht schaffe mir bei ihr Respekt einzuholen. Ich sehe dass ich bisher den Fehler gemacht habe, allen davon zu erzählen wie doof sie doch ist, so lange bis sich noch viel wütender war und es mir unmöglich war sie selbst darauf anzusprechen. Diesmal war es anders, ich habe es NUR mit ihr besprochen. Nur so konnte ich ruhig und sachlich bleiben und der Sache nicht aus dem Weg gehen (damit wird es ja nur schlimmer)

Ich bin über die Geschichte der beendeten Freundschaft und der „Rache“ tatsächlich hinweg. Das hätte ich Anfang des Jahres noch nicht gedacht. Es ist aber passiert. Durch den Fokus auf mein Inneres, auf das Ziel wo ich hin will, hat es sich gelöst … Es ist nicht mehr wichtig.

Ich durfte erkennen was wahre Freunde ausmacht. Durch einen guten Freund den ich kenne seit ich 16 bin und der vor kurzem hier in der Stadt zu Besuch war. Auch hier habe ich neu dazu gelernt, ich war endlich nach so vielen Jahren ehrlich zu ihm und wir haben einiges geklärt. Z.b. das ich nicht verstanden habe, warum er mit seiner Ex Frau zusammen war und aus uns nie was geworden ist. Und es war völlig anders als ich gedacht habe. Es war eine total schreckliche Zweckehe in der er sehr gelitten hat und er ging immer davon aus, dass ich immer vergeben war… und er denkt heute noch bei gewissen Dingen an mich 😉 Das ist so befreien so miteinander reden zu können. Und trotzdem – den Gedanken und dem vielleicht öfter mal gehofft haben – freut er sich ehrlich für mich, dass ich glücklich bin.

Ich habe angefangen, endlich die Anderen zu nehmen wie sie sind. Nicht ständig im Mangel zu sein und in der Abhängigkeit …

Ich habe gelernt, zu sagen, wenn mich etwas stört und durfte dadurch lernen, dass das auch ok ist. Das nichts schlimmes passiert, wenn die Freundschaft echt ist. Das es zwar mal rütteln und weh tun kann und man auch mal grollt, aber das letztendlich auch das vorüber zieht. Man darf Gefühle habe, auch negative und Menschen die in das Umfeld passen, die akzeptieren das auch. Natürlich wertschätzend kommunizieren.

Ich habe bewusst gemerkt, wenn ich wieder in die Falle des Triggers getappt bin. Ich habe ganz klar gesehen, dass viele Frauen ihre eigenen Probleme auf Andere projizieren. Ihre Meinungen und Werte auf anderen stülpen und ich merke auch, wie ich wirke, damit sie einfach ungefragt eben diese auf mich ausleeren. Es ist nicht so dass es mich überhaupt nicht getroffen hätte. Aber es war mir bewusst, dass diese Fragen aus IHREM Inneren kommen, aus ihren Erfahrungen, Bewertungen und aus ihrem eigenen Schmerz. Und es war mir bewusst, dass es meine Ängste hochkommen lässt, die auch ich durch Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht habe.

Und eben die lasse ich Stück für Stück los und werde Neu 🙂 damit ich dahin komme wo ich hin möchte 🙂 und sehe was für eine Fülle ich habe und auch hatte.

Und ich habe mich auch dieser Angst gestellt, zu lieben und mich zu zeigen wie ich bin. Und ich darf ankommen. Ich darf ich sein, voller Liebe und verletzlich. Ich darf mich entspannen und vertrauen.

Prozesse

So oft wollte ich in den letzten Wochen (sogar Monaten!, wie schnell die Zeit vergeht!) etwas schreiben, ich merkte wie es in mir arbeitet, aber mir fehlten die Worte um zu beschreiben was in mir vorgeht.

Ich kann es auch jetzt nicht genau fassen, es ist, wie wenn man spürt dass sich etwas in Inneren anfängt zu ordnen. Zahnrädchen ineinander greifen.

Man bemerkt langsam dass sich die Haltung zu bestimmten Dingen ändert.

Das sich die Bewertung bestimmter Dinge ändert.

Das man zwar weint und traurig ist. Aber Stärke gewinnt.

Das man immer noch Rückschläge hat, aber anders damit umgeht, nicht mehr im Außen die Lösung sucht, sondern ruhig bei sich bleibt, nach Innen schaut, erkennt und korrigiert und letztendlich heilt.

Ich habe auch verstanden, dass Heilung Zeit braucht.

Mit einer neuen Hüfte kann ich auch nicht am nächsten Tag einen Marathon laufen.

Lisa 2.0 ist noch nicht fertig installiert, aber es sind Programme umgeschrieben und der Prozess läuft.

Sehnsucht

ist ein Gefühl das zwei Gesichter hat.

Sehnsucht und Vermissen kann so schön sein, wenn man Jemanden hat den man liebt, an den man denkt und auf den man sich freut.

Ich habe lange nicht verstanden, obwohl es eigentlich auf der Hand liegt, jetzt wo ich es „erarbeitet“ habe… warum ich auf das Vermissen mit Panik und Angst und Traurigkeit reagiere.

Die letzte Therapiestunde war sehr hart … ich wollte auch erst garnicht hin, aber ich habe mir selbst versprochen, dieses Mal nicht aufzugeben. So schwer es auch ist, so weh es auch tut. Ich will endlich lieben können, ich will mein Herz öffnen und heilen…

In der Hypnosesitzung sollte ich an meinem Freund denken, was ich fühle … Sehnsucht und Traurigkeit … ja und was steckt unter diesem Gefühl … und was war so klar dass ich selbst nicht verstehe dass es mir nicht klar war … die Trauer um einem Bruder. Immer noch. Diese Sehnsucht wurde nicht mehr erfüllt, das Vermissen wird nie wieder durch eine Umarmung und Zeit miteinander geheilt …

Er hat mich auf den Arm genommen, heim getragen, ich habe ihm gesagt, wie lieb ich ihn habe und wie traurig ich wäre wenn er nicht mehr leben würde …. und dann .. ist es nie wieder nach Hause gekommen …. und das sitzt so tief in mir drin… die Schuldgefühle, habe ich vielleicht hinter mir gelassen, warum auch immer ich auf die Idee kam sowas zu sagen….

Deshalb bedeutet Vermissen und Sehnsucht für mich Verlust, Angst, Panik und Einsamkeit. Deshalb falle ich immer mal wieder in so ein Loch und komme nicht mehr heraus.

Ich habe glaube ich nach der Sitzung zweit Tage lang durch geweint, ich habe gebetet und geatmet und vieles verstanden. Und ich war auf dem Friedhof. Ich versuche wieder wie früher mit meinem Bruder zu reden, auch wenn es weh tut, auch wenn ich manchmal denke ich werde verrückt.

Immer habe ich gedacht mit mir stimmt etwas nicht, weil ich schon als Teenager oft so traurig war und keine Lust hatte etwas zu unternehmen….

Weil ich dachte, ich war ja noch so klein, kann mich nicht mehr an vieles erinnern und es sind ja schon so viele Jahre vergangen…

Die Seele, die Liebe erinnert sich … die Seele vermisst … und eine Wunde heilt nicht nur weil sie alt ist. Sie bricht auf – gerade dann, wenn wir mit ihr konfrontiert werden. Sei es dadurch dass ein Freund, ein „Partner“ Verluste triggert … und auch dieses Gefühl anders und nicht in Ordnung zu sein…

Oder …. weil die Liebe so stark ist, dass sie einen erschüttert. So hat mein Liebster diese Wunde tief aufgerissen, dadurch, dass ich ihn so liebe wie Niemanden zuvor, dadurch dass er mir die Geborgenheit schenkt die ich zuletzt mit sieben gespürt habe, niemals mehr war ich seither so glücklich, so Eines mit Jemand anderem.

Und es ist gut so.

Ich verstehe jetzt langsam und endlich was in mir vorgeht.

Und ich erlaube mir den Schmerz und die Trauer um meinen Bruder.

Und ich werde mir erlauben, zu heilen und trotzdem zu lieben und glücklich zu werden.

Und ich werde den Liebsten um seiner Selbst willen lieben und ihn so nehmen wie er ist.

Und ich gebe diesmal nicht auf.

Und ich verzeihe mir und ich werde liebevoll mit mir und meinen Gefühlen umgehen.

Der Mann auf der Bank

Was habe ich in den letzten Wochen innerlich gekämpft, nicht nur mit den alten Themen, auch mit der Situation bei der Arbeit. Ich hatte schon während der Lehre Stress und blühe dabei auf. Es ist ein Stress der ertragbar ist, kein 12 Stunden Tag im OP … aber zu tun, zu helfen, 8 Stunden lang auch mal kaum Zeit zum trinken oder essen zu haben… das ist ok, so arbeite ich gern und so macht es mir Spass.

Nichts zu tun zu haben ist schrecklich für mich … ich streife an einer Depression… und ich war wütend … traurig, wütend, resigniert… habe keine Lust mehr zu garnichts und fühle mich nutz – und wertlos… und ich habe in meinem innere gekämpft… Lösungen gesucht …

Jetzt habe ich es anders versucht, auch wenn es sich anfangs angefühlt hat wie sich selbst was vormachen… aber wenn ich es nicht ändern kann, muss ich gehen … oder es akzeptieren und versuchen das Beste daraus zu machen, sonst bekomme ich spätestens in der Rente Depressionen wie mein Vater.

So habe ich die Zeit morgens genutzt, bin länger mit dem Hund spazieren gegangen…. habe eingekauft so lange wir zu Zweit sind .. ja ich hatte ein schlechtes Gewissen dabei, am Anfang, aber da ich mehrfach den Vorgesetzten geschildert habe, dass wir dringend Arbeit brauchen und sich nichts bewegt … was soll ich machen? Ich würde natürlich nicht gehen, wenn ich Arbeit hätte. .. ganz klar … ich lese Bücher bei der Arbeit und atme wenn mich wieder die alten Gefühle packen wollen….

Und ich versuche gute Laune zu haben und für die Patienten die ich habe mein bestes zu geben. Was mir manchmal schwer fehlt wenn ich so eine trübe Stimmung habe. Aber dann sollten doch die wenigen die da sind von den vielen Zeit profitieren.

Und heute bin ich dann kurz spazieren gegangen und habe mich an einen Brunnen gesetzt, vor einer Kirche und die Tauben beobachtet. Plötzlich fragte mich ein älterer Mann ob er sich zu mir setzten darf. Er hatte Redebedarf, hat mir sein Schlüsselbund gezeigt, mit uralten verzierten Schlüsseln, hat über seine kaputten Schuhe gesprochen, wie die Leute ihn anschauen, aber dass die einfach bequem sind mit den kranken Füssen, über seine Zeit in Berlin… über seine Eltern, die noch leben würden (? – er sagte er sei Jahrgang 1941?) … vielleicht hatte er ein wenig Demenz… vielleicht auch nicht… das Gespräch tat ihm gut, er hat sich gefreut… „das war sehr schön, ich wünsche Ihnen ein schönes Leben und alles Gute, bleiben Sie gesund …“ dann stand er etwas wackelig auf bis er sich wieder „eingelaufen“ hatte mit den Schmerzen an den Füssen… auf halben Weg hat er sich nochmal umgedreht und mir zugewunken.

Ich bin sitzen geblieben, bis er aus meinem Blickfeld war… und habe überlegt ob diese „zufällige“ Begegnung vielleicht irgendeine Botschaft hatte.

Und ja, vielleicht war es die Botschaft, dass wir gar nichts Großes vollbringen müssen, manchmal sind es die kleinen Dinge, freundlich zu Jemandem fremden zu sein, ihm zuzuhören, einen Moment und ein Lächeln teilen, vielleicht den Tag etwas angenehmer zu machen … vielleicht habe ich im Moment nicht so viel Arbeit wie ich mir wünsche, aber ich kann auch im Alltag nützlich sein für Andere…

Spiegel

es heißt ja, alles was wir an anderen bewundern, haben wir in uns selbst. Und alles was wir ablehnen auch.

Ich habe eine Freundin die sehr ängstlich ist, alles gleich auf sich bezieht und die letzten Wochen war ich sehr mit mir selbst beschäftigt, habe mich nicht gross gemeldet aber geantwortet, wenn auch nicht ausführlich, doch immer meinte ich so, dass sie sich nicht wieder einen Kopf macht.

Sie hat es doch gemacht und es hat mich echt genervt.

Gerade am Sonntag wieder.

„Haben wir wirklich keine Krach… etc.“

Ich habe nicht in genervtem Ton geantwortet, weil ich das nicht wollte und auch auf dem Sprung war. Und während des Waldspaziergangs mit einer anderen Freundin und dem erzählen wie es mir mal wieder in den letzten Wochen ging, hat sich mein Herz geöffnet und die Gereiztheit war weg, es war Verständnis da… weil ich ebenso bin…

Ich habe dann geantwortet, dass alles in Ordnung ist und dass sie mir vertrauen sollte!

Tut sie, aber ihr Kopf …

Ja auch das kenne ich und gerade dann sollte man nicht genervt sein.

Aber – Spiegel – ich bin es ja von mir selbst, wenn ich wieder mal in diese alten Glaubensmuster und Ängste rutsche kann ich mich nicht ausstehen, ich versinke in Selbstmitleid und denke alle können mich nicht leiden, so wenig wie ich mich selbst …

Wenn ich mich selbst annehmen kann …. mich selbst in den Arm nehmen kann… Verständnis für mich habe… für die verletzte Lisa … dann kann ich auch Verständnis und Liebe für die Freundin haben.

Tief

Ich bin es wirklich leid … immer wieder mit den alten Ängsten und Selbstzweifeln, den Glaubensmustern und den Wunden konfrontiert zu werden… manchmal weiß ich nicht mal was genau es ist … und ich verpasse den Zeitpunkt STOP zu sagen oder bin zu schwach, zu resigniert … oder ich bin es mir nicht wert?

Es fühlt sich an als hätte mich ein ICE erwischt und mitgenommen… ohne das ich wirklich einsteigen wollte… und er rast mit mir an Bord davon… und ich kann nicht aussteigen, weil es keine Haltestelle gibt…

Ich habe gebetet … um Hilfe … mein nächster Therapie Termin war noch so weit entfernt und wenn ich ehrlich bin, ich glaube irgendwie nicht mehr das es helfen kann. Aber wahrscheinlich erwarte ich immer wieder Wunder; ich geh 2 – 3 x hin und alles ist gut … es ist so mühselig immer wieder anzufangen .. immer wieder zu erzählen … aber vielleicht, vielleicht habe ich ja dieses Mal nicht bei Null angefangen.

Und am Freitag werde ich nicht darüber reden was alles in der Vergangenheit passiert ist, sondern was es in der Gegenwart mit mir macht.

Dann ist mir ein Podcast von Veit Lindau bei Instagram angezeigt worden. Ich höre sowas eigentlich nicht mehr, weil es mich so aufwühlt. Aber was er beschreibt trifft es genau. Und hat mir etwas die Augen geöffnet, dass das was ich fühle tatsächlich so ist, das es ganz offensichtlich nicht nur mir so geht … und vor allem, dass es nichts mit meiner Liebe zum Liebsten zu tun hat. Ich fühle mich wenn die alten Wunden aufreissen so schuldig ihm gegenüber und so von der Liebe abgeschnitten. Aber ich muss mich nicht schuldig fühlen, es ist einfach nicht geheilt. Es hat nichts damit zu tun, dass meine Liebe nicht tief genug ist. Und ich bin wiederholt froh, dass mir die Umstände die Möglichkeit einräumen zu heilen ohne ihn dabei mit hineinzuziehen und evtl. dadurch zu verletzen. ❤

Zur Poesie von Lene

…der alte Schmerz, das Ego … ja ich wäre das alles gern los … aber es bröckelt immer noch langsam. Aber immerhin es bröckelt. Gott sei Dank.

Immer mehr erkenne ich die Muster, die Glaubenssätze, den inneren Kritiker, übernommen von … ja egal von wem, er muss schweigen und seine Meinung ändern.

Wieder einmal waren es Gespräche, die mir geholfen haben, einige Dinge zu erkennen. Gespräch die ich gar nicht auf das Thema gelenkt habe, sondern die aus Mitteilungen des Gegenübers entstanden und bei mir – wieder mal – die Aha Erlebnisse ausgelöst haben.

Dabei ist mir auch aufgefallen, dass genau das wahrscheinlich meinem ehemals besten Freund fehlt. Der Austausch. Natürlich kann der auch ins Gegenteil ausfallen, wenn wir mit den falschen Leuten reden. Wenn uns Trigger begegnen. Aber auch hier hilft es auf seinen Bauch zu hören. Die Angst und den alten Schmerz durch Übung beiseite zu stellen.

Das erste Gespräch hatte ich mit einer noch frisch verheirateten Freundin. Sie war etwas niedergeschlagen, weil ich Mann nicht versteht, dass sie nach der Arbeit teilweise einfach in einem Tunnel ist und einfach so ausgelaugt, dass sie nichts geben kann, sondern Zeit für innere Einkehr braucht. Ich kenne das Gefühl. Ich hoffe ich habe das richtig beschrieben. Nun kommt sie nach Hause, es ist schon Abend, sie ist nicht allein, sie muss noch kochen …

Und ihr Mann nimmt ihr still sein und ihren Rückzug persönlich und wirft ihr das auch vor. Und das auch noch in WhattsApp Nachrichten, obwohl sie sich ja jeden Tag sehen.

So wenig ich ihn mag …. so sehr verstehe ich das Verhalten. Denn er reagiert so aus Angst, aus Selbstzweifel. Er ist so sehr darin verstrickt, dass er das auf sich bezieht und daraus entsteht ein Teufelskreis. Ich habe versucht Ihr das zu erklären. Sie weiß es wohl auch. Trotzdem tut es ihr weh, denn sicher hat sie es schon mehrfach versucht zu erklären.

Ich kenne dieses Gefühl. Ich erkenne es, gerade im Erklären für die Freundin. Und ich hoffe ich konnte ihr helfen, dass sie nicht mehr allzu gekränkt und sauer auf ihn ist. Er kann schwer aus seiner Not heraus. Da hilft wirklich nur Therapie.

Für mich war es sehr zu sehen, dass auch mehr Nähe, eine Ehe, ein tägliches Sehen, nichts an diesem Gefühl ändert … dass wir es nur selbst ändern können, indem wir uns selbst lieben und akzeptieren und das nicht ständig als Bestätigung von unserem Partner brauchen.

Das nächste Gespräch war am Samstag mit einer anderen Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte. Was ich wieder mal auf mich bezogen hatte, dabei war sie einfach mit sich selbst beschäftigt, war depressiv und überarbeitet.

Sie macht sich ähnlich ängstliche Gedanken wie ich, wenn wir mal nicht da sein können oder wollen, oder mal abtauchen…. „Was wird meine Mutter denken, was denkt meine Schwester… sicher dass ich sie vergesse habe und sie mir egal sind ….“ (Natürlich waren die entsetzt dass meine Freundin auf so eine Idee kommt) ..

Und auch das nächste Thema, sie sprach an, dass wir uns um uns selbst kümmern müssen, damit wir geben können. Dass man auch sagen soll, was man sich wünscht. Ob ich das denn könne? Und dass ich sagen müsste, wenn mir die Fernbeziehung nicht reicht …

Und dann wurde mir klar, dass sie mir zwar nicht reicht, weil ich ihn so liebe … und ihn eigentlich immer um mich haben könnte. Aber mein Verstand weiß auch, dass es nicht geht, zumindest so schnell noch nicht, mein Herz weiß dass die Liebe so groß ist, dass ich das akzeptiere, weil mich noch nie ein Mensch so glücklich gemacht hat …

Und .. ich habe gemerkt, dass ich es noch nicht könnte. So sehr ich wollte, macht es mir noch Angst. Nicht vor ihm. Sondern vor mir. Die alten Wunden heilen langsam, aber sie sind immer noch da und können aufgerissen werden und bluten dann wieder. Und dass will ich ihm und mir nicht antun. Das hat nichts mit uns zu tun und ich werde meine Vergangenheit nicht mit in diesen heiligen Raum nehmen!

Schuldgefühle

Sind hartnäckig. Und seltsam.

Viele haben sie unnötig. Und welche die es nötig hätten, spüren gar nichts davon.

Wenn man sich selbst schuld an etwas gibt und darüber nicht weg kommt, dann zieht das einen langen Rattenschwanz an unbewussten Handlungen und unguten Gefühlen nach sich.

Vor kurzem hatte mein Bruder Geburtstag. Wie immer bin ich mit meiner Mutter auf den Friedhof gegangen. Wie immer war sie sehr traurig.

Aber ich habe mich verändert. Ich gehe davon aus, dass es endlich die richtige Therapieform für mich ist und diese ihre Wirkung gezeigt hat.

Erst am Abend ist mir aufgefallen, dass ich mich anders verhalten habe, anders gefühlt habe als sonst.

Die Trauer meiner Mutter hat mich immer wütend gemacht.

Aus Ohnmacht, weil ich nichts dagegen tun kann.

Sie hat mich genervt reagieren lassen. Genervt und gekränkt. Weil ich – gefühlt, nicht vom Verstand her, geglaubt habe, sie mache das um mir Schuldgefühle zu machen. Dass sie sich absichtlich rein steigern würde.

Das klingt und ist sehr merkwürdig. Und es ist mir auch peinlich. Aber ich konnte nichts dagegen tun, denn ich wusste nicht woher dieses Gefühl kam, ich weiß auch nicht wie lange das schon so ist … ob es schon immer so war.

Dieses Mal war es weg… ich habe sie in den Arm genommen, ohne innerlich distanziert, genervt und wütend zu sein. Ich war einfach für sie da und habe ihren Schmerz als das gesehen was er ist. Der Schmerz einer Mutter die Ihren Sohn verloren hat und für die das immer schlimm sein wird. Ein Schmerz der nichts mit mir zu tun hat. Und den ich auch nicht heilen kann. Den ich nicht teilen kann. Ich trauere um einen Bruder. Und das auch für mich. Auch das kann keiner heilen und muss auch niemand.